Schopenhauer-Buddhismus : Enso
Schopenhauer und Buddhismus

Georg Grimm

und

Arthur Schopenhauer

Es gibt wohl keine buddhistische Gemeinschaft im deutschsprachigen Raum, die auf eine derart lange Tradition buddhistischer Lehrverkündigung und Praxis zurückblicken kann, wie die “Altbuddhistische Gemeinde”.  Sie ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Georg Grimm (1868-1945). Er war der Gründer dieser Gemeinde, die bis heute durch sein Leben und Werk zutiefst geprägt ist. Die geistigen Wurzeln reichen jedoch noch weiter zurück, nämlich bis Schopenhauer.

So berichtete die Tochter Georg Grimms (“Schwester Maya”):  “Ehe vor die Lehre des Siegreich-Vollendeten (des Buddha) in meinem Elternhaus ihren Einzug hielt, war es der Geist eines Mannes, dem meine kindlich-ehrfürchtige Bewunderung galt: Arthur Schopenhauer. Sein Bild hing über dem Schreibtisch meines Vaters, und ich wusste, dass er in ihm seinen grossen Lehrmeister sah. Wenn ich heute (1962) an diese Zeit zurückdenke, so staune ich über die Virtuosität, mit der es mein Vater verstand, mich, ein siebenjähriges Kind, Schopenhauer lieben zu lehren. Wie oft schilderte er mir während unserer gemeinsamen Spaziergänge an kleinen Beispielen die bedingungslose Wahrheits- liebe dieses Philosophen ... Er pries mir seine (Schopenhauers) Urteilskraft, seinen Ideenreichtum und die Lauterkeit und Unbestechlichkeit seines Wesen (Sonderdruck aus “YANA”, Februar 1973, S. 5).

Auch wenn sich Georg Grimm in seinem Verständnis der buddhistischen Lehre in manchen Punkten von Schopenhauer entfernte, blieb er doch zeitlebens diesem verbunden. In den Werken Georg Grimms finden sich zahlreiche Bezüge zu Schopenhauers Philosophie. Aus ihnen wird deutlich, wie sehr sich Georg Grimm mit der Philosophie Schopenhauers auseinandersetzte und sie der Lehre des Buddha gegenüberstellte. “Die Lehre des Buddho”, das Grundlagenwerk  Georg Grimms, das zu Lebzeiten des Autors bereits 14 Auflagen erreichte,  enthält hierzu im Anhang ein umfangreiches Kapitel. Trotz des “prinzipiellen” Unterschiedes, die Georg Grimm zwischen der Philosophie Schopenhauers und der Lehre des Buddhas sieht, erkennt Georg Grimm eine “staunenswerte Übereinstimmung zwischen beiden Großen”, also zwischen Schopenhauer und dem Buddha.

Die “Altbuddhistische Gemeinde” hält das  Erbe Georg Grimms lebendig. Das kommt selbstverständlich auch in ihrer Verbundenheit mit Schopenhauer zum Ausdruck. Sichtbares Zeichen hierfür ist ihre Mitgliedschaft in der Schopenhauer-Gesellschaft. Als der Verfasser dieser Zeilen 1986 in der Altbuddhistischen Gemeinde einen Vortrag über “Schopenhauer und den Buddhismus”  hielt, war es für ihn tief beeindruckend,  dort eine Gemeinschaft zu finden, in der - ganz im Sinne Georg Grimms - Schopenhauer einen Ehrenplatz einnimmt.
                                                                                                                                           H.B.

S. dazu ausführlicher  in “einige persönliche Anmerkungen von Herbert Becker” > hier